Im Lauf seiner Entwicklung erlebt jedes Kind viele "sensible Phasen". Umso jünger die Kinder sind, umso öfter durchleben sie diese. Sie ermöglichen es dem Kind, Bewegung, Sprache und eine innere und äußere Ordnung aufzubauen. So lernt es gehen, sprechen, erhält durch die äußere Ordnung den Anreiz zum Handeln und erfährt durch die innere Ordnung die Möglichkeit, Beziehungen zu erkennen. Maria Montessori meint: „So wächst das Kind heran und vollbringt aus eigenem Antrieb die Inkarnation, um den anderen Menschen gleich zu werden. Der absorbierende Geist hofft alles und inkarniert alles – das ist das Kind.“ Diese Zeit der „Inkarnation“ ist jene, in der sich das Kind als „Baumeister seiner selbst“ entwickelt und nach seinem inneren Bauplan durch Dialoge, Fragen, Antworten und Herausforderungen in der Begegnung mit der Gesellschaft, der Natur und der Kultur entwickelt.

Der „Montessori Campus Marchegg“ sieht es als Aufgabe „seine“ Kinder pädagogisch so zu begleiten, dass sie sich gemäß des inneren Bauplanes bedürfnisorientiert, individuell und interessensgerecht entwickeln können. Die Aufgabe der Pädagogen ist dabei eine beobachtende, leitende und begleitende. Denn wie schon Montessori sagt: „Wir dürfen nicht denken, wir könnten das Kind machen; wenn wir das tun, verderben wir das göttliche Werk. Wenn wir meinen, wir seien es, die das Kind formen, bauen wir nicht den aktiven Teil im Kinde auf. Wir vermindern die Kräfte des menschlichen Geschöpfes!“

So sieht die „Marchschule-Montessorihaus“ vordergründig nicht das Bild einer Schule oder einer Erziehung, sondern den Menschen an sich. Im Zentrum steht die Entwicklung der Persönlichkeit der Kinder. Die geistige Entwicklung der Kinder beginnt bei der Geburt und wird in den ersten Lebensjahren am stärksten geprägt. Hieraus erklärt sich auch, warum die Kinder bereits sehr jung – ab 3 Jahren – im Montessori Campus Marchegg aufgenommen werden.

Eine „vorbereitete Umgebung“, wie sie die Kinder am Campus vorfinden, ermöglicht ein Heranwachsen und sich Entwickeln, ein Gehen von Wegen, welche nicht von Erwachsenen und deren Erfahrungen aus der Vergangenheit geprägt sind. Das Kind erwirbt dadurch Wissen, das auf selbst gemachten Erfahrungen basiert.
Am Campus werden die Kinder auch in der intensiven Übergangsphase zur Pubertät unterstützt und in vorbereiteter Umgebung begleitet. Dr. Maria Montessori spricht bei diesem eigenständigen Fortschreiten und Wissen-Aneignen von einem „Erdkinderplan“. Die Basis zu diesem „Erdkinderplan“ möchten wir durch die Nähe zu kleinen handwerklichen Betrieben schaffen. Ein selbständiges Arbeiten in den Bereichen Landwirtschaft, Handel, Handwerk und auf dem Dienstleistungssektor soll wichtige Einsichten und Erfahrungen in die Berufswelt ermöglichen. Es geht dabei um das ganzheitliche Erfassen von Strukturen und Abläufen der umgebenden Gesellschaft. Dieser Erfahrungsschatz bietet den Jugendlichen wichtige Hinweise zur späteren beruflichen Orientierung.

Das Montessorihaus wandelt sich unter den Händen der Kinder zu einem Mittelpunkt des ganzheitlichen, durch wissenschaftliches Erforschen untermauerten, Wissenszentrums. Die Schüler werden unterstützt, sich an die unterschiedlichsten Themen - auch von wissenschaftlicher Seite aus - anzunähern. Dies wird durch Literatur, elektronische Medien, sowie direkten Kontakt zu Wissenschaftern unterschiedlicher Fakultäten ermöglicht werden. Die Kinder sollen, beginnend bei den Kleinsten, Wissen durch vernetzte Wahrnehmung erwerben. Die vernetzte Wahrnehmung ermöglicht ein Erforschen und Studieren all dessen, was erlebt wird und somit eine Neuorientierung in den vorhandenen Strukturen und Traditionen. So soll sich, ganz nach der Idee Maria Montessoris ein „Humanist“ entwickeln, der seine Eigenständigkeit vorantreibt und lebt. Gestützt auf inneren Plan, Ordnung und eigene Bedürfnisse schreiten die Kinder in ihrer eigenen Entwicklung voran.

Auf diese Weise begleitete Kinder und Jugendliche tragen Qualitäten in sich, an denen sie und auch andere weiter wachsen können.